2.4.2024 – LG Schweinfurt: Zweite Abschleppmaßnahme wegen geschlossener Werkstatt muss von Versicherung bezahlt werden

LG Schweinfurt vom 14.12.2023, Az. 22 O 720/22

Ein Autofahrer war unverschuldet in einen Unfall verwickelt. Der Unfall passierte am Abend und das Fahrzeug wurde schwer beschädigt. Daraufhin wurde ein Abschleppunternehmen gerufen, das den Wagen in die Werkstatt bringen sollte. Dort angekommen stellte sich heraus, dass die Werkstatt bereits geschlossen war. Daraufhin stellte der Abschleppunternehmer das Fahrzeug zunächst bei sich auf dem Hof ab und schleppte es am nächsten Morgen in die dann geöffnete Werkstatt. Die Rechnung für das zweite Abschleppen in Höhe von 270,- € reichte der Geschädigte bei der gegnerischen Versicherung ein.

Diese verweigerte die Zahlung. Sie war der Ansicht, dass offensichtlich ein Totalschaden vorlag. Das hätte der Geschädigte erkennen können. Dann hätte die Verwertung direkt vom Hof der Abschleppunternehmens erfolgen können und die Kosten wären nicht angefallen.

Das LG Schweinfurt gab dem Kläger mit Recht.

Das Gericht war der Ansicht, dass der Geschädigte als Laie direkt nach einem schweren Unfall nicht einschätzen konnte, ob ein Total- oder Reparaturschaden vorlag. Der Unfall sei um 18:45 Uhr passiert, die Werkstatt sei ab 18:00 Uhr geschlossen gewesen. Der Geschädigte habe daher das Recht gehabt, am nächsten Tag den Schaden begutachten zu lassen.

Die Kosten mussten bezahlt werden.